Komm ins Land der Leichen

             zurück
Aufgabe, Ziel, Produkt Sich mit dem Wirtschaftsfaktor Rauchen auseinander setzen
Fakten zum Rauchen kennen
Verschiedene Werbestrategien analysieren
Plakate gestalten
 
 
Dauer 2 - 3 Lektionen (ohne Hausaufgabe)
 
Methode Klassengespräch, Gruppenarbeit, Diskussion
 
Vorbereitung Werbeinserate in den Unterricht selber mitbringen und von den Schülerinnen mitbringen lassen (ca.1 Monat im Voraus mit Sammeln beginnen)
 
Ablauf Plenum: Auslegeordnung der Werbeinserate in der Klasse machen
Gruppenbildung ist möglich nach folgenden Neigungen der Schülerinnen: (sportlich, naturgebunden, freiheitsliebend, kulturell interessiert, Abenteurer, Einzelgänger, Partygängerinnen oder nach den speziellen Aussagen auf den Werbematerialien (Inserate, Plakate), welche die Schülerinnen ansprechen (z. B. light oder slim - Produkte)
  • Gruppenarbeit: Finden Sie heraus, mit welchen Strategien für die jeweilige Zigarette geworben wird Gestalten Sie ein Plakat.
  • Plenum: Präsentation der Ergebnisse: Welche Erkenntisse haben wir gewonnen?
  • Diskussion: Welche Zielgruppen avisieren die Zigarettenkonzerne Philipp Morris und Reemtsma? Mit welchen Methoden arbeiten die 10 bekanntesten Zigarettenmarken?
    Entscheidung: Welches ist das gelungenste Zigarettenwerbung? Warum?
  • Eventuell Hausaufgabe: Recherchieren Sie in den Kiosken, welche Zigaretten am umsatzstärksten sind.

    •  
 5
 
 
 5-10‘
 
 
 
 
 
 
30‘- 45‘
 
 
ca. 20‘ - 30‘ je nach Klassengrösse
 
 
ca.15‘
 
 
 
 
 
ca. 5‘ -10‘
Vernetzung Statistiken über Zigarettenkonsum in anderen Ländern analysieren
 
Niveau mittel
 
Bemerkungen Denkbar sind auch Kino- und TV-Spots als Untersuchungsgegenstände.
 
Beilagen - Text: Das Ende des Marlboro Man (siehe unten)

 

 

Das Ende des Marlboro Man

             zurück

In den USA wird der Kampf gegen den Nikotingenuss mit missionarischem Eifer betrieben

Rauchzeichen

Nirgends wird so energisch gegen die Raucher gekämpft wie in den USA. Denn noch immer sehen viele Amerikaner ihr Land als "Stadt auf dem leuchtenden Hügel", als moralisches Vorbild im Kreuzzug gegen das Böse - und das ist im Moment die Tabakindustrie.

Die Frau am Nachbartisch zögert keinen Augenblick. Entschlossen steht sie auf, macht drei Schritte zum Tisch neben ihr und schlägt dem Mann, der sich eben eine Zigarette angezündet hat, den Glimmstengel aus dem Mund. "Sie widerlicher Kerl", ruft sie, "Sie verpesten unsere Luft und trampeln auf unseren Rechten herum. Sie sollten sich schämen!"

Die Szene spielte sich ab in einem Restaurant in Vermont, Neuengland. Seit der US-Bundesstaat wie viele andere auch eine strikte Verordnung erlassen hat, die das Rauchen in "öffentlichen Räumen" verbietet oder stark einschränkt, gilt Rauchen als moralisch verwerflich - als nicht nur gesundheitsschädigend, sondern als böse Tat an sich.

Wie oft in der amerikanischen Geschichte wurde eine zuerst rein weltlich ausgerichtete Reformbewegung von einem missionarischen Eifer erfasst, der aus dem Bestreben, einen gesellschaftlichen Zustand zu verbessern, einen moralischen Kreuzzug machte. Die USA, erklärt der Historiker Henry Steele Commager diese amerikanische Tendenz, seien eben mit dem Anspruch gegründet worden, moralisch besser als die "alte Welt" zu sein. Das Bild von Amerika als der "Stadt auf dem leuchtenden Hügel" hat sich tief in die Psyche der Amerikaner eingeprägt und wird von den Politikern auch immer wieder beschworen.

Stärkung des moralischen Rückhalts der amerikanischen Bürger

Die Welt wird in zwei Lager aufgeteilt: hier die Guten, dort die Bösen, hier Licht, dort Finsternis. Das Muster ist bekannt. Schon in der Prohibition in den zwanziger Jahren ging es nicht bloss darum, den Alkoholgenuss zu verbieten, so der Historiker Arthur Link, sondern damit auch das moralische Rückgrat der amerikanischen Gesellschaft zu verbessern. Denn Alkohol wurde vor allem von den "ungewaschenen, faulen Massen von Einwanderern aus dem katholischen Süd- und Osteuropa" getrunken. Mit dem Alkoholverbot wollte die angloamerikanische Mehrheit, die sich von den Immigranten bedroht fühlte, diesen ihre Moralvorstellungen vom rechten Leben und Arbeiten aufzwingen.

Dennoch wäre es falsch, die Anti-Raucher-Bewegung mit den Bestrebungen der Prohibition gleichzusetzen. Zwar hat sie gewisse missionarische Züge, aber eigentlich schlägt nur das Pendel zurück. Und daran trägt die Tabakindustrie selber die Schuld. Denn mindestens seit dem Ersten Weltkrieg, als der US-Oberbefehlshaber General Pershing Zigaretten für seine Soldaten als unerlässlich für den Sieg über Deutschland bezeichnete, erfreute sich das Rauchen in den USA grossen gesellschaftlichen Ansehens. Paffen galt als cool und glamourös. Hollywood-Stars rissen sich darum, "ihre" Zigarettenmarke dem Publikum schmackhaft zu machen.

Dann kam vor 32 Jahren die vom Generalstabsarzt der USA verordnete Warnetikette auf Zigarettenpackungen: Rauchen schadet der Gesundheit, kann zum Beispiel zu Lungenkrebs führen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten den Zusammenhang zwischen Rauchen und Gesundheitsschäden. Doch die Tabakindustrie tat ihr Bestes, diesen Zusammenhang trotz aller Beweise zu verneinen. Damit, sagt der Kongressabgeordnete Henry Waxman, verscherzten sich die Zigarettenhersteller die Sympathie der Öffentlichkeit. Jahrelang hatten die Kapitäne der Tabakindustrie die Öffentlichkeit irregeführt, indem sie die Gefährlichkeit ihrer Produkte wider besseres Wissen verharmlost hatten. Am Ende fühlten sich viele nur noch verraten. Der Kreuzzug konnte beginnen.

Anwälte setzen in erster Linie auf Sammelklagen der Geschädigten

Der Tabakindustrie-Experte Neal Benowitz von der Universität von Kalifornien unterscheidet zwei Gruppen in der Anti-Raucher-Bewegung: die privaten Prozessanwälte mit handfesten finanziellen Interessen und die Justizminister der US-Staaten mit politischen Interessen. Gegenwärtig sind 40 Sammelklagen hängig. Die Anwälte setzen vorab auf Sammelklagen von Geschädigten. Dabei können die Anwälte auf enorme Erfolgshonorare hoffen. Gewinnen sie, erhalten sie bis zu einem Drittel der Entschädigung, verlieren sie aber, gehen sie leer aus.

Doch neben den Entschädigungsklagen von Rauchern und vom Qualm indirekt Betroffenen haben die Tabakmultis auch Prozesse von US-Justizministern am Hals. Diese wollen die Hersteller dazu zwingen, den Staaten die auf rund 50 Milliarden Dollar geschätzten Kosten für die Behandlung von an Raucherkrankheiten Leidenden zurückzuerstatten.

Erst unter diesem Druck hielten es die bisher scheinbar unbesiegbaren Zigarettenfirmen für ratsam, sich auf den nun ausgehandelten aussergerichtlichen Vergleich einzulassen und mit der freiwilligen Bezahlung von 370 Milliarden Dollar in den nächsten 25 Jahren weitere ruinöse Schadenersatzklagen abzuwenden.

Quelle:

Publikations-Datum: 19970629
Seite: 22. Autor: VON RETO PIETH


Ihr Feedback