Die 3 G’s -
Gewohnheit, Genuss, Geselligkeit

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Das Telefon klingelt. Der nächste Bus kommt erst in zehn Minuten. Noch fünf Minuten gemütlich am Frühstückstisch sitzen bleiben. Gleich möchte man eine schwierige Aufgabe in Angriff nehmen. Im Wartezimmer, während des Seminars etc. darf sowieso nicht geraucht werden - für eine gewohnheitsmässige Raucherin gibt es zahlreiche Standardsituationen, in denen sie zur Zigarette greift, manchmal ohne es überhaupt zu bemerken: bei 15 Zigaretten täglich insgesamt 5475 Mal im Jahr. Das muss dem weiter oben Ausgeführten - Rauchen als Reaktion auf negative Gefühle - nicht widersprechen.

Denn erst, wenn eine Gewohneitsraucherin ernsthaft versucht, mit dem Rauchen aufzuhören, wird nach und nach deutlich, welche Funktionen das Rauchen in ihrem Leben erfüllt, und welchen Stellenwert es eingenommen hat. Blosse Gewohnheiten lassen sich dagegen relativ leicht ändern. Beispielsweise kann ich mich entscheiden, ab morgen einen anderen Weg zur Arbeit zu nehmen, zum Frühstück nur noch Vollkornbrot zu essen oder anstelle der “Tagesschau” nun das “Heute Journal” regelmässig zu sehen.

Sicherlich gibt es auch sie: Die Zigaretten, die eine Raucherin so richtig geniesst, die eine nach dem Essen zum Beispiel oder die zu einem Glas Wein am Abend. Solche Genusszigaretten sind es, die in den Werbespots der Tabakindustrie geraucht werden - sofern dort überhaupt geraucht wird. Und eben davon, nur noch diese Genusszigaretten zu rauchen träumen viele Raucherinnen. Fraglich ist, ob es diesen Genuss ohne die entsprechende Gewöhnung überhaupt geben kann. Denn schon nach einer längeren Rauchpause, z. B. während der Nachtstunden oder einer Krankheit reagiert der Körper abwehrend (Schwindelgefühle, Darmkrämpfe) auf die erste Zigarette. Danach stellt sich die einmal erworbene Toleranz rasch wieder ein. Die zweite, dritte oder sechste Zigarette - kein Problem. Die erste allerdings, die war, um ehrlich zu sein, doch kein Genuss. Jede Raucherin kennt das: Man sitzt zusammen und lacht, man trinkt und redet und raucht. Gehören zu einer geselligen Runde mehrere Raucherinnen und Raucher, steigt der Zigarettenkonsum sprunghaft an. Umgekehrt rauchen die meisten weniger, wenn sie mit Menschen zusammen sind, die nicht rauchen.

Für entwöhnungswillige Frauen ist die gesellige Runde ein weniger mächtiger Rauchauslöser als für entwöhnungswillige Männer. Trotzdem sollte eine Frau, die mit dem Rauchen aufhören möchte, die Verführung, die von solchen Runden ausgeht, nicht unterschätzen. Hilfreich sind hier Absprachen mit anderen. In der ersten Zeit sollte man ausserdem mit Alkohol sehr vorsichtig sein, da er die Fähigkeit zur Selbstkontrolle einschränkt.

Das Etikett “Gewohnheit” allein kann nicht erklären, warum es vielen Frauen und Männern so schwer fällt, das Rauchen aufzugeben.

Quelle: Frau, Sucht, Gesundheit, “Die Luft anhalten” oder Warum rauchen Frauen? Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. Hamm 1996 S. 26 und 27